Frau vor grauer Wand
17.11.2025

„Ich liebe es, aktiv zu gestalten“ sagt Alexandra Kohlmann – eine der Top 50 Unternehmerinnen

Industrieunternehmerin, Nachfolgerin und Mutter von drei Kindern: Alexandra Kohlmann hat die Nachfolge eines Schmierstoffwerks in 2. Generation angetreten. Sie gehört zudem seit 2022 laut Handelsblatt zu den Top 50 Unternehmerinnen in Deutschland und wurde als „Unternehmerin des Jahres” in Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Wir sprechen über Sichtbarkeit als Führungsaufgabe, über einen gelungenen Generationswechsel – und darüber, warum sie Debatten rund um Mittelstand, Nachhaltigkeit und moderne Führung aktiv mitprägt. Im Interview mit WORT+MARKE (W+M) sagt sie: “Wer gestalten will, sollte auf der Bühne stehen – intern wie extern.”

 

WORT+MARKE: Gab es einen Moment, in dem du dich, persönlich sowie für dein Unternehmen für mehr Sichtbarkeit entschieden hast?

Alexandra Kohlmann: Ausgelöst hat das unser Weg zur Stärkung unserer Corporate-Brand: wir haben bewusst mehr auf unsere Eigenmarke gesetzt und uns zugleich von Print hin zu Social Media bewegt – verbunden mit der Frage, wer uns nach außen repräsentiert. Irgendwann habe ich entschieden, nicht nur privat, sondern auch stellvertretend für die Marke in meiner Rolle als Unternehmerin auf Instagram und LinkedIn aufzutreten. Side Fact: Ich war eher ein Spätzünder auf LinkedIn als ich im Jahr 2021 startete. Doch es ist nie zu spät.

Sichtbarkeit ist aus meiner Sicht als Unternehmerin kein Extra – ähnlich wie bei einem Politiker, sondern einfach Teil meiner Rolle. Dabei ist Authentizität mein Maßstab – und die gelingt nur, wenn ich persönliche und professionelle Facetten nicht künstlich voneinander trenne. Wer sichtbar ist, ist als ganze Person sichtbar.

 

WORT+MARKE: Auf welchen Sichtbarkeitsbühnen neben Social Media bist du heute unterwegs und welche sind dir besonders wichtig?

Alexandra Kohlmann: Angefangen hat es bei mir mit Events und Panel-Talks zu den Themen Familienunternehmen und Nachfolge. . Aber auch Award-Verleihungen mit dem Schwerpunkt weibliches Unternehmertum haben für mich schon immer eine wichtige Rolle gespielt – nicht nur für die eigene Sichtbarkeit, sondern vielmehr, um auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen und ein Bewusstsein für die Unternehmerinnen zu schaffen! Außerdem engagiere ich mich aktiv im VdU, dem Verband der Unternehmerinnen, in dem ich seit diesem Jahr dem Bundesvorstand angehöre. Dort fand ich früh einen konstruktiven Austausch, u.a. zum Thema Nachfolge. Dieser war und ist mir bis heute besonders wichtig.

Mit der Zeit wandelte sich meine Rolle auf der Bühne etwas und inzwischen spreche ich breiter über Unternehmertum, Mittelstand und Wirtschaftspolitik – auch aus der Perspektive einer Frau in der Industrie. Das ist eine Nische, in der ich als Frau mit einem Industrieunternehmen Impulse setzen kann, was hoffentlich auch andere Frauen und Nachfolgerinnen motiviert. Der Mittelstand ist der Motor unserer Nation. Diese Kraft gilt es zu nutzen, zu bewahren und kontinuierlich weiter zu entfalten.

Dabei reihen sich Themen wie beispielweise KI oder moderne Führung automatisch mit ein. Aus meiner Sicht ist es daher wichtig, ganz im Sinne der Authentizität, sich sein eigenes Markenzeichen zu schaffen – sprich zu wissen, für was willst du als Person stehen. Wir dürfen uns nicht distanzieren, sondern sollten unser Umfeld aktiv gestalten. Als 3-fach Mama liegt mir nicht nur die unternehmerische Zukunft am Herzen, sondern auch die von uns allen.


WORT+MARKE: Welche Wirkung hat deine Sichtbarkeit auf dein Unternehmen, Team und dich selbst?

Alexandra Kohlmann: Die Corporate Brand und Personal Brand greifen auf jeden Fall ineinander und und so sind auch die jeweiligen Social-Media-Kanäle bei gewissen Themen wie z.B. Motorsport, Employer Branding oder Corporate Communications eng miteinander verzahnt..  Intern entstehen dadurch noch mehr Gesprächsthemen und eine stärkere Identifikation mit dem Unternehmen.

Extern sehe ich klare Effekte in Sachen Employer Branding, insbesondere im Recruiting: Menschen werden neugierig und bewerben sich, weil sie die Person hinter der Marke spannend finden. Und natürlich erhöht sich in Summe die mediale Reichweite, wie bei einem Puzzle, das zusammen seine Wirkung entfaltet. Das zahlt am Ende positiv auf die Marke, aber natürlich auch auf das gesamte Unternehmen ein.

WORT+MARKE: Wann wusstest du: Ich übernehme und führe in die Zukunft?

Alexandra Kohlmann: In den letzten Zügen meiner Promotion – als mein Vater am Hauptsitz in Worms ein neues Werk baute. Solche Investitionen sind auf Jahrzehnte angelegt; entsprechend haben wir uns für den Einstieg direkt nach meiner Promotion entschieden. Rückblickend: ein Sprung ins kalte Wasser, ohne lange Führungserfahrung außerhalb – was ich durchaus gut gefunden hätte. Doch jetzt bin ich mitten drin und sehr zufrieden.

 

WORT+MARKE: Was war dein größtes Learning im Generationenwechsel?

Alexandra Kohlmann: Die finale Staffelstab-Übergabe vor zwei Jahren haben wir über rund ein halbes Jahr sehr bewusst begleitet – intern zuerst, dann extern, inklusive Videos & Co. – insgesamt eine sehr professionelle Kommunikation. Was ich heute noch intensiver gemacht hätte: in der gesamten Vorbereitungsphase noch kontinuierlicher über Rollen, Zuständigkeiten und einzelne Schritte sprechen. Pläne sind wichtig – und doch bleibt Nachfolge dynamisch. Dieses Spannungsfeld muss man aktiv kommunizieren. 

 

WORT+MARKE: Was treibt dich täglich an?

Alexandra Kohlmann: Unternehmerische Freiheit und Wirkung. Ich kann gestalten, Dinge bewegen und mit einem starken Team Impact generieren – genau das motiviert mich.

 

WORT+MARKE: Dein Rat an Nachfolgerinnen, die noch zögern – beim Einstieg und bei der eigenen Sichtbarkeit?

Alexandra Kohlmann: Es einfach ausprobieren. Ein „Ja“ ist kein lebenslanges Ticket, denn du darfst deinen Kurs korrigieren. Und: Ich glaube, dass man alles haben kann, wenn man es wirklich will. Für mich ist es ein Privileg, das ausprobieren zu dürfen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. 

 

WORT+MARKE: Und last, but not least, wollen wir von dir natürlich auch gerne wissen: Wenn deine Personal Brand einen Claim hätte, welcher wäre das?

Alexandra Kohlmann: „No boundaries – live it all!” Für mich gehören Privates und Berufliches, Person und Unternehmen, Tradition und Zukunft untrennbar zusammen. Nur wer das Ganze sieht, kann sichtbar, wirksam und nachhaltig Großes bewegen – ohne auf Vielfalt oder Lebensfreude zu verzichten.

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