15.12.2025

„Verantwortung heißt, Haltung zu zeigen“ – Annika Kühnle über Sichtbarkeit, Werte und den Weg in die Nachfolge

WORT+MARKE im Gespräch mit Annika Kühnle – Nachfolgerin in 2. Generation und Geschäftsführerin von kühnle‘waiko, einem Möbelbau-Unternehmen aus Fichtenberg. Sie spricht über ihren Weg ins Familienunternehmen, den bewussten Umgang mit Sichtbarkeit und warum es ihr so wichtig ist, Haltung zu zeigen und das Handwerk in Deutschland zu stärken.

 

WORT+MARKE: Was bedeutet für dich persönlich Sichtbarkeit?

Annika Kühnle: Sichtbarkeit bedeutet für mich, meine Werte und Haltungen nach außen zu tragen und die Themen, die mir am Herzen liegen, klar zu kommunizieren – und damit auch wahrgenommen zu werden. Mir ist es wichtig, dass wir unsere Büro- und Einrichtungsmöbel in Deutschland produzieren. Natürlich ist das eine Herausforderung, aber genau darum geht es: dass wir unsere Werte leben und offen darüber sprechen. 

 

WORT+MARKE: Gab es diesen einen Moment, in dem du dich bewusst für mehr Sichtbarkeit entschieden hast?

Annika, Kühnle: Nein, den einen Auslöser gab es nicht. Mein Papa hat das Unternehmen vor über 30 Jahren aufgebaut und großartige Arbeit geleistet – aber wenig darüber gesprochen. Irgendwann wurde mir klar: Wenn wir nicht darüber erzählen, wird es niemand erfahren. 

 

WORT+MARKE: Welche Kommunikationskanäle (on- und offline, intern und extern) nutzt du dabei am liebsten und warum?

Annika Kühnle: Das hängt vom Thema ab. Intern und bei Veranstaltungen in der Region setze ich vor allem auf den persönlichen Austausch. Auf LinkedIn poste ich nur gelegentlich – aber gezielt zu Themen, die mir wichtig sind. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht und bekomme viel positives Feedback.

WORT+MARKE: Ist Sichtbarkeit deiner Meinung nach gerade in der Nachfolge bzw. als Unternehmerin wichtig

Annika Kühnle: Als ich angefangen habe, hatte ich selbst kein Netzwerk von Nachfolgerinnen oder Nachfolgern und musste es mir Schritt für Schritt aufbauen. Dabei habe ich gemerkt, wie ähnlich die Herausforderungen sind, vor denen wir alle stehen. Je sichtbarer man wird, desto mehr können andere davon profitieren. Sichtbarkeit hat uns auch beim Employer Branding geholfen – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist das entscheidend. Wir haben neue, junge Mitarbeitende gewonnen – und ich bin überzeugt, dass unsere Kommunikation dabei eine wichtige Rolle spielt.

 

WORT+MARKE: Wie wirkt sich deine Sichtbarkeit aus: auf das Unternehmen, auf die Mitarbeitenden und dich selbst?

Annika Kühnle: Ich werde heute deutlich stärker wahrgenommen und häufiger zu Panels und Vorträgen eingeladen – gerade zu den Themen Nachfolge und Unternehmertum. Auch fürs Unternehmen spüren wir die Wirkung: Unsere Themen haben an Präsenz gewonnen, wir bekommen positives Feedback von Partnern, Lieferanten und aus der Region.  

 

WORT+MARKE: Wann war der Moment, in dem du wusstest: ich möchte das Unternehmen übernehmen und in die Zukunft führen?

Annika Kühnle: Es war kein einzelner Moment, sondern ein Prozess. Anfangs wollte ich meinen eigenen Weg gehen und habe mich eher distanziert. Zwar habe ich im Studium nebenher im Unternehmen gearbeitet, aber nur in Bereichen, die mir Spaß gemacht haben. Der Wendepunkt kam, als mein Vater sagte: „Wenn keiner von euch – also meine Schwester oder du – einsteigt, müssen wir über einen Verkauf nachdenken.“ Das wollte ich nicht. Nach einigen Überlegungen habe ich mit ihm gesprochen und gesagt: Wenn wir uns auf ein paar Rahmenbedingungen einigen, möchte ich es probieren. So bin ich Schritt für Schritt hineingewachsen.

 

WORT+MARKE: Was war dein größtes Learning beim Generationenwechsel? 

Annika Kühnle: Geduld (lacht). Ich komme aus der Digitalbranche, war schnelle Prozesse und agile Teams gewohnt. Mit dieser Energie kam ich ins Unternehmen und habe schnell gemerkt: Damit überfordere ich viele. Mein größtes Learning: Veränderung braucht Zeit. Man muss die Erfahrung und Werte meines Vaters mit meinen Ideen verbinden – das ist ein gemeinsamer Weg, auf dem auch Fehler dazugehören.

 

WORT+MARKE: Was treibt dich täglich an in deiner Rolle als Unternehmerin? 

Annika Kühnle: Die Freiheit, gestalten zu können. Die Möglichkeit, Dinge in Bewegung zu setzen, Neues zu schaffen und unser Unternehmen in die Zukunft zu führen.
 

WORT+MARKE: Was rätst du anderen Nachfolgerinnen, die (noch) zögern, a) die Nachfolge anzutreten und b) selbst sichtbar(er) zu werden? 

Annika Kühnle: Einfach machen. Natürlich bedeutet Nachfolge Verantwortung und Arbeit – das darf man nicht unterschätzen. Wenn man merkt, dass es nicht passt, ist das auch okay, dann kann man andere Wege gehen.
 

WORT+MARKE: Wenn dein Personal Brand einen Claim hätte – wie würde er lauten? 

Annika Kühnle: Freude am Machen!

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