„Entscheiden. Lernen. Wachsen.“
Madlen Maier ist Gesellschafterin der familiengeführten maxmaier® businessgroup und verantwortet Kommunikation und Marketing. Die Unternehmensgruppe vereint vier Geschäftsbereiche unter einer gemeinsamen Vision: nachhaltig im Einklang mit der Natur zu leben, zu arbeiten und zu essen. So entstehen starke Synergien in den Bereichen nachhaltige Immobilienentwicklung, Catering-Systeme und digitale Lösungen für Food-Sicherheit und Mehrwegorganisation. Gemeinsam mit ihrem Bruder Max hat sie die Nachfolge ihres Vaters angetreten. Im Gespräch mit WORT+MARKE erzählt Madlen Maier, was Sichtbarkeit für sie bedeutet, wie Tradition und Innovation sehr wohl zusammenpassen – und warum Nachfolge vor allem eine Frage des Loslassens ist.
Sichtbarkeit
WORT+MARKE: Was bedeutet Sichtbarkeit für dich als Nachfolgerin?
Madlen Maier: Für mich bedeutet Sichtbarkeit vor allem Vertrauen schaffen gegenüber Mitarbeitenden, Kunden und Partnern. Das gelingt vor allem durch das Kommunizieren, wofür wir als Familie stehen und was wir in Zukunft bewirken wollen. Und das in Kombination mit der Umsetzung und dem, Übernehmen von Verantwortung. Das ist für mich der Kern von Sichtbarkeit, die wir als Nachfolgegeneration nach außen tragen.
WORT+MARKE: War das schon bei eurem Vater so?
Madlen Maier: Wir sind als Unternehmerkinder groß geworden. Wir waren als Kinder am Wochenende im Bürogebäude, haben auf seinem Chefsessel gesessen und in den Unterlagen rumgekramt. Die Verantwortung, die mein Vater trug, war für uns immer sichtbar.
»Unser Vater hat von Anfang an gesagt: Ich bin die Vergangenheit, ihr seid die Zukunft. Als wir eingestiegen sind, hat er jeden Pitch, jede Präsentation an uns übergeben – und dabei wirklich loslassen können.«
Dafür sind wir ihm sehr dankbar. Weil je mehr du Unternehmertum lebst, desto mehr identifizierst du dich damit. Und ich glaube, das ist ganz wichtig: Wie viel Freiraum bekommst du, diese Rolle und Sichtbarkeit zu leben?
Mein Bruder und ich haben nur 1,5 Jahre Altersunterschied und verstehen uns blind. Unser Vater ist mit 76 Jahren auch noch jeden Tag im Unternehmen. Das funktioniert super, weil bei uns jeder seine klar definierten Zuständigkeiten hat und wir einander viel Freiraum lassen. Die Struktur ist für uns alle sehr wertvoll.
WORT+MARKE: Welche Kanäle nutzt ihr und wie wirkt sich die Sichtbarkeit auf das Unternehmen aus?
Madlen Maier: Das Persönliche, das Face-to-Face, ist nach wie vor das Wichtigste für uns – wir arbeiten in einem beziehungsträchtigen Markt. Eines der coolsten Komplimente ist für mich, wenn ich als „Frau Rieber“ oder wir als „Familie Rieber“ angesprochen werden – denn damit ist der reine Firmenname wohl Teil unserer DNA und Sichtbarkeit. Und das vor allem unter dem Aspekt, dass wir mit der Firma Rieber 2025 100 Jahre Jubiläum gefeiert haben und Max und ich die Unternehmensgruppe nun in fünfter Generation fortführen.
Aber auch LinkedIn hat für uns eine immense Wirkung im Sinne von Bekanntheit, Außenwirkung als Marktführer, oder Einblicke als Arbeitgeber. Das unterstützen unsere Markenbotschafter im Unternehmen, die sich sehr authentisch zu ihren Themen nach außen präsentieren.
Dazu kommen Fachpresse, ein digitaler Newsroom auf der Website und eigene Formate wie unser 100-Jahre-Magazin, das die Menschen hinter dem Unternehmen sichtbar macht.
Wichtig ist immer: Der Kanal muss zur Botschaft passen. Nicht alles gehört auf LinkedIn, nicht alles passt zu einem Netzwerk-Event.
Tradition und Innovation
WORT+MARKE: Wie schafft ihr es, Tradition und Innovation zu verbinden?
Madlen Maier: Da haben wir echt viel von unserem Vater gelernt: Man muss wissen, wo man herkommt, und diese Tradition schätzen. Nicht alles, was war, ist schlecht. Und gleichzeitig ist es immens wichtig, alles ständig zu hinterfragen und offen für das Neue zu sein.
Innovation bedeutet für uns nicht, Dinge komplett neu zu erfinden, sondern Bestehendes konsequent weiterzuentwickeln und zu verbessern. Das tun wir zum einen durch neue Technologien für Produktinnovationen aber auch durch Digitalisierung- So bieten wir unseren Kunden nicht mehr nur Produkte, sondern ein ganzheitliches System, das Prozesse deutlich vereinfacht, nachhaltiger macht und damit echten Mehrwert schafft.
»Wir sehen uns nicht als Alt gegen Neu. Unser Vater bringt seine jahrelange Erfahrung mit rein, Max und ich unsere Stärken und das, was gerade bei den Kunden Thema ist. Daraus entwickeln wir: Was gibt es für Opportunities?«
WORT+MARKE: Gibt es auch Momente, in denen euer Vater eher skeptisch gegenüber Neuerungen ist oder war?
Madlen Maier: Ja, Momente, in denen er zum Beispiel sagt: „Kinder, macht's – ich sag euch, lasst es.“ Und Max und ich mit 200% Überzeugung: „Nein, wir machen das jetzt.“ Zwei Jahre später geben wir dann zu, dass er vollkommen recht hatte. Aber wir haben den Fehler gemacht, und das war gut so. Du lernst nur, wenn du selbst Fehler machst. Anders herum konnten wir unseren Vater auch schon überraschen von neuen Ansätzen oder Ideen, wie z.B. bei urbanfarmup. Hier war unser Vater viele Jahre lang eher skeptisch als Max das Thema eingebracht hat. Er kommt selbst aus einem landwirtschaftlichen Betrieb und hat damals gesagt: „Solange die Sonne draußen scheint, brauchen wir das nicht.“ Doch mit den spürbaren Veränderungen durch den Klimawandel hat sich auch seine Perspektive verändert. Als wir dann die ersten Gespräche mit einem Start-up zu dem Thema geführt haben, war er schon deutlich offener – vor allem, nachdem er selbst die Qualität der Produkte erlebt hat und sich intensiver mit den Herausforderungen rund um Lieferketten bei Frischprodukten beschäftigt hat. Aber es gibt auch viele kleinere Beispiele im Alltag, bei denen er erst überzeugt war als er das fertige Ergebnisse gesehen hat.
Nachfolge
Wann wusstest du, dass du das Unternehmen in die Zukunft führen willst?
Madlen Maier: Diesen einen springenden Moment gab es bei mir nicht. Das hat sich entwickelt. Wir waren früh immer in der Firma dabei, haben mitgekriegt, wenn der Papa telefoniert hat. Wir haben schon früh NextGen Programme beispielsweise bei EY besucht und irgendwann war der Bund mit Max klar: Wir machen das zusammen.
Und das Wichtige war: Wir wurden nie gezwungen. Unser Vater hat immer gesagt, ihr könnt studieren, was ihr wollt. Wir hatten immer Riesenrespekt vor dem, was er aufgebaut hat, aber der Punkt kam, da wussten wir aus freien Stücken: Wir wollen das machen.
WORT+MARKE: Was war dein größtes Learning?
Madlen Maier: Ich bin ein Steinbock – ich dachte, es gibt einen perfekten Fahrplan und alles ist vorab definiert. Da hat mein Vater mir die Angst genommen: Das läuft so nicht. Es gibt kein 100-prozentiges Richtig und auch nicht den einen Plan. „Lass die Dinge einfach mal fließen,“ sagte er zu mir und so war es dann auch.
»Es geht nur über Kommunikation. Auf Augenhöhe, offen, mit Respekt in beide Richtungen – das ist das Wichtigste bei einer Nachfolge in der Familie.«
WORT+MARKE: Was gibst du anderen Nachfolgerinnen mit, die noch zögern?
Madlen Maier: Zunächst: Wisst und schätzt dieses Privileg, ein Familienunternehmen zu haben und übernehmen zu dürfen. Nicht jeder hat die Chance, eine Nachfolge antreten zu können. Ja, da gehen viele Unsicherheiten mit einher, auch Ängste. Aber: Einfach probieren. Wenn es aus irgendeinem Grund nicht klappt, gibt es immer eine Lösung dafür.
»Meistens wird es doch ganz anders, als man sich vorstellt. Und wenn man die Möglichkeit hatte, es wenigstens zu probieren – das ist ein echtes Privileg.«
Dein Motto
WORT+MARKE: Was ist ein zentrales Motto von dir als Unternehmerin?
„Entscheiden. Lernen. Wachsen.“
Madlen Maier: Erst den Mut aufbringen, Entscheidungen zu treffen. Dann daraus lernen. Und daran wachsen – an jedem Thema, jedem Fehler, jedem Schritt nach vorne.
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