24.02.2026

„Führung ist, wenn andere freiwillig folgen.“

Nina Rahn ist Unternehmerin und Nachfolgerin eines Softwarehauses für Recruiting-Lösungen. In zweiter Generation rockt die zweifache Mutter unterschiedlichste Rollen verbunden mit Perspektiven von und nach intern und extern. Auf ihre sehr reflektierte und klare Art und Weise, schlägt sie eindrücklich die Brücke von Nachfolge und Sichtbarkeit zu Führungsarbeit und einem echten Erlebnis – was das bedeutet liest du in diesem Interview mit WORT+MARKE.

„Ich wollte es gar nicht unbedingt – und dann wollte ich keinen anderen Platz mehr.“

 

WORT+MARKE: Du bist Nachfolgerin in zweiter Generation. Wann wusstest du: Ich möchte das Unternehmen übernehmen?

Nina Rahn: Ich bin nach der Schule direkt ins Unternehmen eingestiegen – eher hineingerutscht als mit einem Masterplan. Unbedingt wollte ich es am Anfang nicht. Aber nach zwei, drei Jahren habe ich gemerkt, wie steil meine Lernkurve in dieser Rolle ist. Ich konnte mit aufbauen, mitgestalten, Verantwortung übernehmen. Das hat mich viel weitergebracht als jedes Studium. Da wurde mir klar: Ich möchte eigentlich keinen anderen Platz mehr.

Dass es neben der operativen Verantwortung noch eine unternehmerische Ebene der Nachfolge gibt, ist mir erst nach einigen Jahren, mit Anfang 30, bewusst geworden – als meine Eltern sich Schritt für Schritt zurückzogen. Plötzlich habe ich gespürt: Da fehlt etwas. Und genau da lag diese andere Flughöhe, die ich vorher gar nicht gesehen hatte.

„Unternehmerisch heißt: rauszoomen.“

 

WORT+MARKE: Was verstehst du unter dieser unternehmerischen Perspektive?

Nina Rahn: Du kannst geschäftsführend tätig sein und das Unternehmen managen – das ist absolut legitim. Das ist Arbeit im operativen System. Unternehmerisch heißt für mich aber: rauszoomen. Ganzheitlich draufschauen. Wo soll das Unternehmen hin? Wofür steht es? Was nehmen wir dazu, was lassen wir weg?

Da geht es um Marke, Wahrnehmung, Purpose – und um uns als Unternehmerfamilie. Diese Ebene immer wieder zu reflektieren und zu schärfen, ist eine ganz andere Perspektive.

 

WORT+MARKE: Man spürt richtig, wie du strahlst, wenn von dieser Erfahrung erzählst. Doch was treibt dich in deiner Rolle als Unternehmerin noch an?

Nina Rahn: Mich treibt an, Räume zu schaffen, in denen Menschen ihre Potenziale entfalten und wachsen können. Gleichzeitig möchte ich mit dem Unternehmen Lösungen entwickeln, die echte Probleme lösen – und zwar auf eine eindrückliche Weise. Ich sehe darin auch gesellschaftliche Verantwortung. Im Rahmen meines Einflussbereiches möchte ich alles dafür tun, um Wirtschaft und Menschlichkeit in Einklang zu bringen - das ist mir wichtig.

 

WORT+MARKE: Was war dein größtes Learning im Generationenwechsel?

Nina Rahn: Loslassen und Übernehmen gehören untrennbar zusammen. Es funktioniert nicht, wenn ich nur fordere, dass meine Eltern loslassen – und selbst nichts tue. Und genauso wenig andersherum. Ich vergleiche das gerne mit einem Mobile oder einem Gummiband zwischen zwei Polen. Beide Seiten müssen sich bewegen.

Mit meinen eigenen Kindern möchte ich früher über die unterschiedlichen Rollen sprechen: Managerin, Unternehmerin – und alles dazwischen. Damit sie bewusst entscheiden können, welchen Weg sie gehen wollen. Externe Unterstützung hilft dabei aus eigener Erfahrung enorm. 

 

WORT+MARKE: Welche Rollen spielen in der Nachfolge noch eine Rolle?

Nina Rahn: Es gibt so viele Spielweisen. Operativ tätig sein. Im Beirat sitzen. Die reine Gesellschafterebene, wie zum Beispiel meine Geschwister. Sie sind auf ihre Weise Unternehmer, obwohl sie nicht operativ mitarbeiten. Diesen Gestaltungsspielraum zu erkennen, war mir am Anfang gar nicht bewusst – aber genau darin liegt ein hohes Maß an Freiheit.

 

WORT+MARKE: Was bedeutet Sichtbarkeit für dich?

Nina Rahn: Sichtbarkeit ist die Chance, Menschen zu erreichen. Das ist eine Form der Führung, denn Führung ist, wenn andere freiwillig folgen. Dafür braucht es Resonanz – und Resonanz entsteht nur, wenn ich meine Perspektiven auch teile.

Dabei geht es nicht nur um Zahlen oder einmalige Ansprachen. Sondern um Haltung, Werte und Gedanken, die sonst nur in meinem Kopf stattfinden. Für mich ist dabei das Erlebnis ein zentraler Faktor im Unternehmen – das, was Mitarbeitende, Partner, Kunden und mein Umfeld allgemein erleben, wenn sie mit uns zusammenarbeiten oder sich austauschen – dieses Erlebnis soll einzigartig, wertschätzend und echt sein. Und da mir das so wichtig ist, trage ich auch den übergreifenden Hut für das Erlebnis bei d.vinci. 

„Narrative müssen geführt werden.“

 

WORT+MARKE: Das klingt nach einer klaren Positionierung. Gab es dennoch den einen Moment, in dem du dich bewusst für mehr Sichtbarkeit entschieden hast?

Nina Rahn: Den einen Moment gab es nicht. Aber ich habe verstanden: Wenn ich bestimmte Narrative im Unternehmen möchte, muss ich sie selbst setzen. Sonst passiert etwas – aber nicht unbedingt das, was ich will.

Nach außen war und ist es für mich inspirierend zu sehen, wie andere Nachfolgerinnen, wie zum Beispiel Dina Reit ihre Perspektiven teilen und wie sich dadurch die Wahrnehmung deren Unternehmen verändert. Das hat mir gezeigt, was entstehen kann, wenn man sichtbar wird und wie wichtig es ist, sich damit aktiv und strategisch auseinanderzusetzen. 

 

WORT+MARKE: Wie wirkt sich deine Sichtbarkeit auf Unternehmen und Mitarbeitende aus?

Nina Rahn: Viele Mitarbeitende lesen oder hören mit. Wenn ich meine Gedanken teile, entstehen Reflexionsflächen – auch für kontroverse Themen. Das schafft Vertrauen und Menschen können mich besser einschätzen.

„Nachfolge ist Persönlichkeits­entwicklung auf Steroiden.“

 

WORT+MARKE: Was rätst du Frauen, die noch zögern, den Schritt in die Nachfolge zu gehen?

Nina Rahn: Nachfolge ist für mich das größte Geschenk – ein enormer Wachstumsraum. Es ist Persönlichkeitsentwicklung auf Steroiden.

Vernetzt euch mit anderen Nachfolgerinnen. Geht auf Events – es gibt viele davon, wie zum Beispiel die NextGen Gipfeltage von euch oder auch die Next Generation Unternehmer von Timo Kaapke, meinem ehemaligen Coach. Spannende Formate gibt es da einige. Sprecht mit Menschen, die in ähnlichen Situationen sind. Und wenn ihr unsicher seid, sucht euch einen Sparringspartner aus diesem Fachgebiet. Schon wenige Sessions können helfen, Klarheit zu gewinnen – das lohnt sich auf jeden Fall.

Und zur Sichtbarkeit: Kommunikation gehört zu Führung ohne Wenn und Aber. Sie findet ohnehin statt – die Frage ist nur, ob du sie aktiv und in deinem Sinne gestaltest. Dazu musst du nicht auf jedem Kanal präsent sein, sondern genau dort, wo deine Zielgruppe zuhört und wo du dich wohlfühlst. Aber du solltest wissen, was du erzählen willst und wofür du stehen möchtest. Die richtigen Menschen docken nur an, wenn sie deine Ideen kennen, verstehen und dir folgen wollen.

 

WORT+MARKE: Unsere Abschlussfrage, liebe Nina: Wenn deine Personal Brand einen Claim hätte, wie würde der lauten?

Nina Rahn: 

Erfolg = Erlebnis + Ergebnis

Was steckt dahinter: es braucht beide Seiten, um erfolgreich zu sein. Wirtschaftliches und gesellschaftliches Wirken. Dabei ist mir unheimlich wichtig, die entsprechenden Räume zu schaffen, in denen Menschen wachsen können. 

Somit schließt sich der Kreis an dieser Stelle auch wieder: Denn Führung ist, wenn andere freiwillig folgen.

 

WORT+MARKE: Vielen Dank für das offene und inspirierende Gespräch mit dir und herzliche Grüße nach Hamburg.

 

Relevante Links: 

Nina Rahn | LinkedIn

Recruiting- & Onboarding-Software: Wir sind eure Experten | d.vinci

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